KATAPULT


Wissenschaft, Daten und Gesellschaft verständlich gemacht
KATAPULT ist ein unabhängiges Wissenschafts- und Medienprojekt aus Greifswald, das wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftlich relevante Themen verständlich, anschaulich und oft mit einem überraschenden Blick aufbereitet. Statt komplexe Studien und Statistiken lediglich wiederzugeben, macht KATAPULT Zusammenhänge mit klaren Texten, prägnanten Grafiken und Karten schnell erfassbar: von Politik und Gesellschaft über Geopolitik und Wirtschaft bis hin zu aktuellen wissenschaftlichen Debatten. Dieser unverwechselbare Ansatz hat sich zu einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte entwickelt: Während viele etablierte Medien mit sinkenden Printauflagen kämpften, wuchs KATAPULT innerhalb von sechs Jahren von null auf 150.000 Exemplare Auflage. Der Tagesspiegel bezeichnete diese Entwicklung 2022 als „eine der größten Erfolgsgeschichten auf dem deutschen Printmarkt“.
Dabei ist KATAPULT seiner Heimat Greifswald bewusst treu geblieben und hat dort Schritt für Schritt ein eigenes Medienhaus aufgebaut. Aus dem Magazin entstanden unter anderem ein Buchverlag, Regionalmedien und weitere Publikationen. 2024 erzielte das Medienhaus nach eigenen Angaben rund 4,3 Millionen Euro Umsatz; im Mai 2026 beschäftigte KATAPULT 40 feste und 15 freie Mitarbeitende. Mit dem Umbau einer ehemaligen DDR-Schule zum eigenen Hauptsitz investiert das Unternehmen zudem langfristig in seinen Standort. So zeigt KATAPULT, wie aus einer wissenschaftsbasierten Idee ein eigenständiges Medienunternehmen entstehen kann, das Wissen zugänglicher macht, neue journalistische Wege geht und zugleich regionale Wertschöpfung schafft.
Im Rahmen des exist Gründungsstipendium wurde KATAPULT 2015 gegründet. Wie sich aus einer geförderten Gründungsidee ein erfolgreiches Medienprojekt entwickelt hat, welche Rolle die exist Förderung dabei spielte und welche Herausforderungen es gab, haben wir in einem schriftlichen Interview mit Benjamin Fredrich, Gründer und Herausgeber des KATAPULT-Magazins, besprochen:
KATAPULT hat sich mit Karten, Infografiken und verständlich aufbereiteten wissenschaftlichen Inhalten einen ganz eigenen Platz in der Medienlandschaft geschaffen. Wie ist die Idee entstanden und was hat euch damals motiviert, den Schritt in die Gründung zu wagen?
„Der Wunsch war am Anfang größer als die Idee. Die Idee für KATAPULT hat sich erst nach dem Beginn entwickelt. Auf die Karten sind wir gekommen, als wir bemerkten, dass wir kein Geld für Bilder haben. Unsere heutige DNA ist deshalb erst durch einen wertvollen Finanzmangel entstanden. Kein Geld haben kann in seltenen Fällen ein Vorteil sein.“
Stell dich und das Gründungsteam gerne kurz vor. Wer steckt hinter KATAPULT und welche Kompetenzen habt ihr damals zusammengebracht?
„Gegründet habe ich damals als alleiniger Gesellschafter (ist bis heute so geblieben) noch während meines Studiums. Drei weitere Personen sind in der exist- Zeit dazugekommen von denen Tim Ehlers (Linguistik) auch heute noch als Cheflayouter bei KATAPULT ist. Wir haben als Team gut funktioniert. Nach einem exist-Jahr wurde eine Anschlussförderung abgelehnt. Tim Ehlers und ich waren der Überzeugung, dass wir auch ohne Förderung überleben können. Das Team halbierte sich also. Bis heute ist die Kombination Ehlers-Fredrich relevant für KATAPULT. Wir haben über ein Jahr von dem Wenigsten gelebt und gleichzeitig sehr viel gearbeitet. Irgendwann hat uns Ella Daum (Juristin) verstärkt. Auch sie arbeitet heute noch für KATAPULT.“
Wenn du an die Gründungsphase zurückdenkst: Welche Herausforderungen haben euch damals am meisten beschäftigt? Gab es einen Moment, der euch besonders geprägt hat?
„Uns hat vor allem beschäftigt, wie viele Abos wir pro Tag reinbekommen. Manche Tage waren es null, manche waren es drei. Das war der Motor, weiterzumachen und auszurechnen, in wie vielen Jahren wir unabhängig wären. Geprägt hat wohl vor allem die Team-Verkleinerung am Anfang. Es hat uns gezeigt, dass Wille und Fokus wichtiger sind als die Teamgröße.“
Euer Team wurde in der Gründungsphase durch das exist Gründungsstipendium unterstützt. Welche Rolle hat die Förderung für euren Start gespielt?
„Ohne die Förderung hätte ich KATAPULT ohne Team starten müssen. Die Erfahrung des ersten Teams und der Verkleinerung hätten wir nicht machen können. Ohne EXIST wäre KATAPULT schwer auf die Beine gekommen. Konkret: Vielleicht hätte ich nie eine zweite Person gefunden, die ebenfalls alles reingibt und an eine gute Zeit (die heutige) glaubt.“
Mit etwas Abstand: Was hat euch die exist-Förderung ermöglicht, was ohne diese Unterstützung vielleicht nicht oder erst deutlich später möglich gewesen wäre?
„Teamerfahrung, ein Büro, weitere sich anschließende Unterstützung der Uni Greifswald – aber am wichtigsten: Tim Ehlers finden.“
Welche Erkenntnis oder welchen Rat würdest du heutigen Gründer*innen mitgeben, die gerade am Anfang ihrer Reise stehen?
„Nur mit Leuten starten, die begeisterungsfähig sind.“
Als KATAPULT seid ihr sehr offen und transparent mit eurer drohenden Insolvenz umgegangen. Mittlerweile investiert ihr wieder und das Unternehmen ist voll auf Kurs. War eure Offenheit (teilweise) entscheidend um diese schwierige Phase zu überstehen? Und was würdet ihr angehenden Gründer*innen im Hinblick auf ähnliche Situationen raten?
„Wir wären ohne die Offenheit heute insolvent. Es gibt viele Fehler, die ich heute nicht mehr mache: die beiden Wichtigsten sind:
1. ab einer gewissen Firmengröße braucht man ein Controlling
2. ein Team darf nicht zu schnell wachsen“
KATAPULT hat sich seit der Gründung stetig weiterentwickelt. Worauf liegt aktuell euer Fokus und welche Ziele oder Projekte stehen als Nächstes an?
„Wir befinden uns im Optioniversum: Wir haben die glückliche Situation, dass wir zwei neue Teams (langsam!) aufbauen dürfen; ein Forschungsteam und ein Team für Big data. Gleichzeitig bauen wir weitere Gebäude auf unserem Grundstück und diskutieren darüber, ob wie wir unsere Küche renovieren. Das macht Spaß!“
Wenn du eure Gründungsreise in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das?
„Karten, Hanuta, Karten …“



